Juvenilia

Um seine frühen Werke und ihre Entstehungszeit hat Schmidt ein Geheimnis gemacht. In seinen Briefen behauptet er mehrfach, sie seien in Schlesien verloren gegangen, was allerdings eine Mystifikation ist, fand sich doch im Nachlass ein Konvolut ›Juvenilia‹ mit Handschriften verschiedener Prosatexte, die sich vermutlich »im ununterbrochenem Besitz von Arno oder Alice Schmidt befunden haben« (BA I, 4, S. 636).

Der von Schmidt gewählte Sammeltitel führt etwas in die Irre. Bei den ›Juvenilia‹ handelt es sich um Texte aus der Zeit um 1937–1941, Schmidt war also schon gut 20 Jahre alt, als der diese Texte schrieb. Daneben sind noch einige wenige Gedichte aus den Jahren 1933–1935 erhalten.

In der 1954 niedergeschriebenen Aufstellung ›Meine Bücher‹ heißt es zum frühen Werk (die Datierung des ›Pharos‹ ist umstritten):

Nachdem ich Ende Dezember 1930 zuerst ein Gedicht geschrieben hatte, dann (immer spärlicher werdend) mehr freie Rhythmen (etwa 100), schrieb ich jahrelang in Nachfolge Tiecks & Hoffmanns schwächliche Märchen. (»Die Fremden« etc) / Der erste selbstständige Laut war im Juli 1941 der »Pharos«

Zu den ›Juvenilia‹ gehören folgende Texte:

Schmidt hat die Titel seiner frühen Werke mitunter in seinem Werk verstreut. So heißt es in ›Schwarze Spiegel‹ (1951):

Papier in den Schüben; Manuskripte; »Massenbach kämpft um Europa«; »Das Haus in der Holetschkagasse«; ergo ein literarischer Hungerleider, Schmidt hatte er sich geschimpft.

In der Erzählung ›Schulausflug‹ (1957) gehört das Frühwerk zu den veröffentlichten Büchern des Ich-Erzählers:

»Ich kenne einige Ihrer Bücher,« ergänzte er undurchdringlich (hoffentlich nicht die ganz frühen, den ‹Sataspes› oder das ‹Haus in der Holetschkagasse›!).

In ›Zettel’s Traum‹ erzählt Daniel Pagenstecher von einem Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert, der angeblich in Ödingen (dem Handlungsort des Romans) gelebt, von den Bauern erschlagen und auf dem Schauerfeld »verscharrt« worden sein soll. Diesem Autor, der als alter ego Pagenstechers (und damit Schmidts) angelegt ist, werden die Juvenilia zugeschrieben, deren Manuskripte Pagenstecher »selbstredind, in seltener Vollständichkeit« besitzt (BA IV, 1, S. 18 f.).

Zuletzt geändert: 20.10.2020
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